Zucker ist nicht gleich Zucker

In unserem Blog findest du Tipps und Infos zu Ernährung und Bewegung bei Diabetes Typ 2

 

Bei Diabetes ist bekanntermaßen Zucker derjenige Inhaltsstoff in Lebensmitteln, über den du dir Gedanken machen solltest – wieviel du davon zu dir nimmst und in welcher Form, und wie du deinen (Insulin-)Stoffwechsel damit nicht überforderst.

Allerdings versteht bei dem Wort „Zucker“ nicht jeder gleich dasselbe – die allermeisten denken wohl zunächst einmal an das, was man als gewöhnlichen Haushalts- oder Kristallzucker kennt. Hierbei handelt es sich chemisch gesehen um Saccharose – einen sogenannten Zweifachzucker, der aus einem Molekül Glukose und einem Molekül Fruktose besteht. Es gibt viele verschiedene Arten von Zuckern, die man z.b. anhand ihrer Zusammensetzung unterscheiden kann.

Letzten Endes ist es allerdings die Glucose, die unser Körper zur Energiegewinnung heranzieht. Alle anderen Zuckerarten werden durch verschiedene Prozesse erst in Glucose umgewandelt, bevor Sie weiter verstoffwechselt werden können. Für den Rest dieses Textes verwende ich den Sammelbegriff „Zucker“ für alle oben aufgeführten Sorten.

Wenn du deinen Zuckerkonsum reduzieren möchtest, ist eine naheliegende Idee, auf Produkte mit Zuckerersatzstoffen oder anderen Süßungsmitteln zurückzugreifen. Diese finden sich heutzutage in vielen Produkten, die als „zuckerfrei“ beworben werden, mit Namen wie Sorbit, Xylit, Erythrit, Stevia und vielen weiteren. Auch wenn ein reduzierter Zuckerkonsum grundsätzlich ein sicherlich gesundheitsförderlicher Vorsatz ist, sollte man dennoch genau Bescheid wissen, was diese Stoffe sind und welche Wirkungen Sie auf deinen Körper haben können. Seit 2014 werden insgesamt 19 Stoffe unter dem Namen „Süßungsmittel“ zusammengefasst:

 

  • Acesulfam K
  • Aspartam
  • Cyclohexansulfamidsäure (Cyclamat)
  • Saccharin
  • Sucralose
  • Thaumatin
  • Neohesperidin DC
  • Stevioglycoside
  • Neotam
  • Aspartam-Acesulfamsalz
  • Adavantam
  • Sorbit
  • Mannit
  • Isomalt
  • Polyglycitolsirup
  • Maltit
  • Lactit
  • Xylit
  • Erythrit

 

In diesem Text wollen wir uns nun drei Stoffe aus dieser langen Liste einmal genauer ansehen, da sie mit am häufigsten in Gebrauch sind: Sorbit, Aspartam und Stevioglycoside (auch als „Stevia“ bekannt).

SORBIT(OL)

Sorbit, auch unter dem Namen E 420 als Lebensmittelzusatz bekannt, ist ein sogenannter Zuckeralkohol. Natürlich enthalten ist dieser Stoff in verschiedenen Früchten, beispielsweise in Birnen, Pflaumen, Aprikosen und in diversen Arten von Trockenobst.

Mit einer Süßkraft, die ca. 60% von normalem Haushaltszucker entspricht, wurde Sorbit früher bevorzugt bei Diabetiker-Lebensmitteln eingesetzt, da für die Verstoffwechslung von Sorbit kein Insulin benötigt wird.

Sorbit wird auch eingesetzt, um Wasser in Lebensmitteln zu binden – bei größeren Verzehrmengen passiert allerdings auch das gleiche in deinen Darm, da Sorbit nicht vollständig vom Körper aufgenommen werden kann. Das bedeutet: Sorbit bleibt in deinem Magen-Darm-Trakt und „zieht“ dort Wasser, was zu Blähungen und Durchfall führen kann. Das ist auch der Grund, warum Sorbit z.b. in Getränken EU-weit verboten ist – da so schnell eine Menge erreicht werden kann, die den kritischen Wert von 50g/Tag überschreitet.

Was bedeutet das also für dich? Sofern du an keiner diagnostizierten Unverträglichkeit leidest, sind kleine Mengen an Sorbit höchstwahrscheinlich für dich verträglich. Lebensmittel, in denen es natürlich vorkommt, musst du nicht grundsätzlich meiden – Obst sollte schließlich mit 2 Portionen am Tag täglich auf deinem Speiseplan stehen. Allerdings ist gerade bei Trockenobst Vorsicht geboten. Es hat neben dem Sorbit nämlich einen recht hohen (wenn auch natürlichen) Zuckergehalt, der eine entsprechende Insulinreaktion erfordert.

ASPARTAM

Aspartam ist ein künstlich hergestellter Süßstoff, der ungefähr die 200-fache Süßkraft im Vergleich zur Saccharose besitzt und in Lebensmitteln auch als der Zusatz E 951 ausgewiesen wird. Im Gegensatz zu Sorbit ist Aspartam in keinem Lebensmittel natürlich vorhanden. Es ist ein künstlicher Süßstoff, der seit über 30 Jahren in vielen Lebensmitteln zur Süßung eingesetzt wird.

Wird Aspartam über die Nahrung aufgenommen, so wird es in seine Einzelteile zerlegt – darunter auch Methanol, welches auch in alkoholhaltigen Getränken und in geringen Mengen auch natürlich in Obst und Gemüse vorkommen kann.

Seit seiner erstmaligen Zulassung in den USA 1980 und der schrittweisen Erweiterung der zulässigen Einsatzbereiche wurde immer viel über Aspartam diskutiert – sowohl in wissenschaftlichen Fachkreisen als auch in pseudowissenschaftlichen Büchern, Ratgebern und Beiträgen. Bis heute halten sich hartnäckig Gerüchte und Halbwahrheiten, die in Aspartam den Grund von Krankheitsbildern wie Krebs oder Multiple Sklerose sehen wollen. Wissenschaftlich fundiert ist allerdings keine dieser Behauptungen. Sowohl die EFSA (European Food Safety Authority) und die FDA (Food and Drug Administration = Amerikanische Behörde für Lebensmittelsicherheit) haben Aspartam aufgrund intensiver Recherche der Studienlage als unbedenklich eingestuft.

Dennoch gibt es eines zu beachten: Aufgrund des Methanols, das beim Abbau von Aspartam entsteht, wurde eine Obergrenze von 40 mg/kg Körpergewicht für einen unbedenklichen Verzehr festgelegt – um zu verhindern, dass sich eine gesundheitsbeeinträchtigende Menge Methanol im Körper sammelt. Das entspräche zum Beispiel 4 Liter eines Softdrinks, der mit 600 mg/L Aspartam gesüßt wäre.

Da diese „Obergrenze“ durch den täglichen Verzehr von Lebensmitteln eigentlich nicht erreicht werden kann, musst du dir im Prinzip keine Sorgen machen, wenn du hin und wieder mal ein Produkt zu dir nimmst, das Aspartam enthält:  um deinen Insulinspiegel musst du dir beim Verzehr dieses Süßstoffes keine Sorgen machen.

STEVIOGLYCOSIDE (“STEVIA“)

Erst seit 2011 in Europa als Lebensmittelzusatz E 960 zugelassen, erfreute sich der umgangssprachlich als „Stevia“ bekannte Süßstoff schnell wachsender Beliebtheit. Denn: Stevia enthält keinerlei Kalorien.

Warum wird also nicht grundsätzlich und überall mit Stevia statt Kristallzucker gesüßt? Das liegt einerseits daran, dass Stevia an sich nicht nur süß, sondern auch bitter schmeckt – eine Eigenschaft, die in den wenigsten Lebensmitteln gewünscht ist und daher durch den Mix mit anderen Zuckern kaschiert werden muss. Darüber hinaus ist es noch immer teurer, Stevia statt Zucker zu verwenden.

Ähnlich wie Aspartam wurde Stevia von verschiedenen Behörden als sicherer Lebensmittelzusatz eingestuft, jedoch mit einer Tagesgrenze von 4mg/kg Körpergewicht. Über verschiedene positive wie negative Effekte sind sich Fachkreise nicht 100% einig – von den momentan erhältlichen Produkten geht bei einem regulären Verzehr jedoch scheinbar kein Risiko aus. Für Diabetiker ist Stevia als Süßstoff geeignet – aber es ist nicht besser oder schlechter als andere Süßstoffe.

Um zu testen, ob Stevia für dich als Zuckerersatz in Frage kommen könnte, süße zum Beispiel, deinen Tee / Kaffee statt mit Haushaltszucker mit einem Stevia-Produkt. So kannst du herausfinden, ob dir der „Geschmack“ von Stevia überhaupt zusagt, und dann an weiteren Rezepten/Lebensmitteln testen.

FAZIT

In der richtigen Menge eingesetzt, können  Zuckeraustauschstoffe sicher sinnvoll sein, um deinen Zuckerkonsum zu verringern. Bevor du aber anfängst, Dich mit teuren Zuckeralternativen aller Art einzudecken, könntest du aber auch versuchen, erst einmal weniger Zucker zu essen oder deinen Konsum auf den Prüfstand zu stellen: du wärst überrascht, in welchen Lebensmitteln massiv Zucker in den verschiedensten Formen und Namen eingesetzt wird.

 

 

Literatur:

https://www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de/presse/ddg-pressemeldungen/meldungen-detailansicht/article/stevia-ist-nicht-gesuender-als-andere-zuckerersatzstoffe.html, aufgerufen am 09.09.2018

https://www.nhs.uk/live-well/eat-well/sorbitol-diabetics/, aufgerufen am 07.09.2018

http://polyols-eu.org/legislation/food/, aufgerufen am 07.09.2018

https://www.efsa.europa.eu/de/topics/topic/aspartame, aufgerufen am 07.09.2018

https://www.dge.de/ernaehrungspraxis/vollwertige-ernaehrung/5-am-tag/. Aufgerufen am 11.10.2017

https://www.fda.gov/food/ingredientspackaginglabeling/foodadditivesingredients/ucm397725.htm, aufgerufen am 08.09.2018

https://www.nhs.uk/live-well/eat-well/aspartame-facts/, aufgerufen am 08.09.2018

https://www.nhs.uk/live-well/eat-well/are-stevia-plant-extracts-safe/, aufgerufen am 09.09.2018

https://www.efsa.europa.eu/de/efsajournal/pub/5236, aufgerufen am 09.09.2018

http://www.spiegel.de/wirtschaft/verschwoerungstheorien-suessstoff-aspartam-in-cola-light-macht-krank-a-1011698.html, aufgerufen am 09.09.2018

Ashwell, M (2015) : „Stevia, Nature’s Zero-Calorie Sustainable Sweetener“

Bundesinstitut für Risikobewertung (2014): „Bewertung von Süßstoffen und Zuckeraustauschstoffen“

Islam S. et al. (2006): „Sorbitol-based osmotic diarrhea: Possible Causes and mechanismof prevention investigated in rats“

Mortensen A. (2006): „Sweeteners permitted in the European Union: Safety Aspects.“

Vaaler S et al. (1987): „Sorbitol as a sweetener in the diet of insulin-dependent diabetes.“

Schreibe Sie eine Antwort