Fleisch essen trotz Diabetes Typ 2?

Wir geben Ihnen Tipps, wie Sie sich trotz Diabetes Typ 2 ausgeglichen Ernähren können.

 

„Zuckerkrankheit“ – dieser etwas altmodische und umgangssprachliche Begriff für Diabetes legt noch immer nahe, dass diese Krankheit eben hauptsächlich durch Zucker „verursacht“ wird. Also durch einen zu hohen Verzehr von z.B. Süßigkeiten, Limonaden und Kuchen.

Wie bei so vielen Erkrankungen, bei denen die Ernährung eine große Rolle spielt, ist die Ursache-und-Wirkung-Beziehung leider nicht so einfach. Ein zu hoher Konsum solcher Lebensmittel stellt nach aktueller Kenntnis ein Risiko für die Entwicklung von Diabetes Typ 2 dar. Diese sollten deshalb bei einer bestehenden Erkrankung – und in Augen fast aller Experten generell – nur in Maßen und mit Bedacht konsumiert werden.

Allerdings können auch Lebensmitteln, bei denen du im ersten Moment gar nicht an Zucker und Insulin denkst, auf diesen Stoffwechsel Einfluss nehmen. Eine Lebensmittelgruppe, die wir uns in diesem Zusammenhang genauer ansehen wollen, ist Fleisch. Genauer gesagt: Das sogenannte „rote Fleisch“, welches die World Health Organization (WHO) zum Beispiel definiert als das Fleisch von Rind, Schwein, Lamm, Schaf, Pferd und Ziege. Das „weiße Fleisch“ hingegen umfasst im Wesentlichen alle Geflügelsorten.

Welche Nährstoffe enthält Fleisch?

Neben reichlich Eiweiß enthält Fleisch häufig vor allem einen Makronährstoff – nämlich Fett. Fette galten lange Zeit als der Buhmann schlechthin, und eine Welle an „low fat“- Produkten überschwemmte den Markt. Heute weiß man: Die verschiedenen Arten von Fetten haben vollkommen unterschiedliche physiologische Wirkungen.

Jedoch belegen zahlreiche Studien, dass ein regelmäßiger Konsum von rotem Fleisch die Konzentration jener Fettsäuren im Blut erhöht, die mit einer Insulinresistenz in Verbindung gebracht werden. Die genauen Mechanismen sind noch nicht vollständig geklärt – Erklärungsansätze setzen hier sowohl direkt im Gehirn, bei den Muskelzellen oder bei der Leber an. Die wesentliche Aussage ist, dass der hohe Anteil an gesättigten Fettsäuren Entzündungen an den Zellen dieser Organe hervorruft. Wodurch diese nicht mehr richtig funktionieren.

Ein anderer Nährstoff, der häufig in Verbindung mit Fleisch gebracht wird, ist Eisen. Eisen wird im Körper für die verschiedensten Prozesse benötigt. Einer der wichtigsten ist der Sauerstofftransport über das Blut, da Eisen im Blutfarbstoff Hämoglobin als zentraler Baustein eingesetzt wird.

Eisen muss in ausreichender Menge über die Nahrung zugeführt werden. Aber wie so oft gilt auch hier: Es gibt zu viel des Guten. Mehrere Studien belegen, dass ein zu hoher Gehalt an Eisen in der Nahrung mit einem erhöhten Risiko für Diabetes einhergeht. Den Grund sehen die Forscher im erhöhten „oxidativen Stress“  durch den hohen Eisenspiegel. Das bedeutet, dass mehr sogenannte Sauerstoff-Radikale entstehen – das sind kurzlebige, sehr reaktive Verbindungen, die unsere Zellen nachhaltig schädigen. Insbesondere die Insulin produzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse, die ß-Zellen, können von diesem oxidativen Stress betroffen sein.

Fazit

Du musst natürlich nicht ganz auf Fleisch verzichten und zum Vegetarier oder gar Veganer werden. Grundsätzlich empfiehlt es sich aber, deinen Fleischkonsum auf den Prüfstand zu stellen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt beispielsweise, pro Woche nicht mehr als maximal 600 Gramm Fleisch zu konsumieren.

Ein Blutbild kann zum Beispiel Aufschluss darüber geben, in welchem Anteil verschiedene Fettsäuren in deinem Blut vorhanden sind. Wenn dein Arzt dir einen erhöhten Wert an gesättigten Fettsäuren bestätigt, könnte es helfen, weniger Fleisch zu essen oder zumindest einen Teil durch das erwähnte „weiße Fleisch“ zu ersetzen.

Alternative Quellen für gesunde Fette sind beispielsweise Nüsse & Samen, Avocados oder pflanzliche Öle (in Maßen). Wenn du dir um deinen Eisenspiegel Gedanken machst, sind neben Fleisch Kürbiskerne, getrocknete Aprikosen, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte und auch Spinat hervorragende Eisenquellen.

 

 

Literatur:

Barnard N. et all. (2014): Meat consumption of a risk factor for type 2 Diabetes.

Comerford et al. (2016) Emerging Evidence fort he Importance of Dietary Protein Source on Glucoregulatory Markers and Tsype 2 Diabetes: Different Effects of Dairy, Meath, Fish, Egg, and Plant Protein Foods.

Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Vollwertig essen und trinken nach den 10 Regeln der DGE

Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (2015): Blutanalysen sprechen dafür, dass viel rotes Fleisch das Diabetesrisiko erhöht. (Pressemitteilung)

Pan A. et al (2011): Red meat consumption and risk of type 2 diabetes: 3 cohorts of US adults and an updated meta-analysis

Sears B. et al. (2015): The role of fatty acids in insulin resistance.

Wittenbecher C. et al. (2015): Amino acids, lipid metabolites, and ferritin as potential mediators linking red meat consumption to type 2 diabetes.

World Health Organization (2015): Q&A on the carcinogenicity of the consumption of red meat and processed meat

 

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